Prof. Stefan Hartmann – Eine Reise, drei Welten

Mercedes Felgueres

Einige ihrer Gemälde scheinen auf den ersten Blick abstrakt zu sein: manchmal scheint die ganze Bildfelder eine monochrome Farbfläche zu sein, manchmal setzt es sich aus Farbfeldern unterschiedlicher Größe zusammen, die ineinander übergehen oder gegeneinander abgesetzt sind. Die Bildfläche und ihre einzelnen Bereiche sind aber nicht monochrom, sondern farblich differenziert und haben eine Binnenstruktur, ein Relief. Die Plastizität der Oberflächen entsteht einerseits dadurch, daß die Farbe in mehreren Schichten teilweise dick aufgetragen wurde. Zudem wurden die Farbflächen bearbeitet, man sieht mehr oder weniger ausgeprägte Furchen, ja teilweise richtige Kraterlandschaften. Auf anderen Bildern ist die oberste, transparente Malschicht aufgerissen.
Unter diesen abstrakten Farbflächen werden, teilweise erst bei genauem Hinsehen, figurative Elemente erkennbar: urbane Landschaften, Stadtpläne, Menschen und Plakate. Man erkennt Wohnblöcke, die offenbar gerade gesprengt werden; darüber die Luftaufnahme einer völlig zubetonierten Großstadt: eine Identifikation des Ortes ist nicht möglich, es könnte überall sein – erst der Titel macht klar, daß es sich um Mexiko Stadt handelt.
Auf einem anderen Gemälde sieht man ein Paar in Rückenansicht, das offenbar gerade auf Shoppingtour in exklusiven Geschäften unterwegs ist: auch dies könnte überall auf der Welt sein. Zudem erkennt man eine Gruppe von Menschen an einem Bahnhof oder Schiffsterminal: warten sie auf die Ausreise, haben sie gerade Verwandte verabschiedet oder erwarten sie die Rückkunft von Verwandten?
Auf einem anderen Bild erkennt man Fragmente von Werbeplakaten mit den Namen europäischer Hauptstädte: Rom, Paris, Athen. Die Plakate stammen offenbar aus einer Zeit, als es sich nur eine betuchte Klientel leisten konnte, zum Vergnügen per Eisenbahn und Luxusliner zu vereisen – Anderen wiederum verhießen die Städtenamen Arbeit und eine bessere Zukunft.
Dies alles sind alltägliche, vertraute Motive, die jedoch durch die Farbschleier auf eigentümliche Weise entrückt sind – auf diese Weise entsteht eine Distanz, die zur Reflektion anregen kann. Zu einem neuen Blick auf das scheinbar Vertraute.
Die Motive deuten dabei nur an, überlassen ihre Interpretation dem Betrachter.

Auf Mercedes Felgueres Gemälden finden sich aber auch Zitate aus der Kunstgeschichte, so sind auf zwei der Bilder Fragmente aus Richard Hamiltons berühmter Collage “What exactly is it, that makes our today’s homes so special, so appealing?“ aus dem Jahr 1955 zu sehen. Richard Hamilton kann als Vater der britischen Pop Art bezeichnet werden. In seiner Collage zeigt er auf ironische Weise das das ideale Paar der 50er Jahre im idealen Heim: Die Collage zeigt einen Wohnraum, der mit allen Konsumgütern der Zeit ausgestattet ist: neue Möbel, Staubsauger, Radio und Fernseher. Radio und Fernseher verweisen einerseits auf den Einfluss der Medien, sind natürlich aber auch Statussymbole der Zeit; das plakativ platzierte Label eines Autokonzerns bezieht sich ebenfalls auf die Verheißungen der Konsumwelt, die suggerieren will, dass Glück käuflich ist.

Stefan Hartmann

Angelika Müller – Ausstellung in der Galerie 88 – Lorsch

Mercedes Felgueres

Manche Künstler machen uns zu schlichten Betrachtern – sie geben uns eine Fläche, sie geben uns Farben, Linien, eine eindeutige Aussage. Mercedes Felgueres gibt uns all dies und noch viel mehr. Sie fordert uns. Denn Flächen, Farben, Linien – bei dieser Künstlerin verschmilzt alles zu einer einzigen Aufforderung: Schau hinter die erste Schicht, blick hinter die Fassade und ins Detail, entdecke die Vielseitigkeit aller Dinge.

Aus der Ferne betrachtet begegnen uns ihre Bilder zunächst als einfache Formen; scheinbar umrisslose Farbbereiche ordnet sie einer gekonnten Symmetrie unter, ihr Feingefühl für Komposition und gestalterische Balance ist stets spürbar. Und doch treten in diesen, ihren neueren Werken vereinzelt und wie bunte Inseln in einem Farbenmeer unruhige, neugierig machende Flächen zu Tage. Und wer näher tritt, dem Blick erlaubt, mehr wahrzunehmen als nur das Augenscheinliche, dem offenbaren sich ganz neue Ansichten.

Denn welches Werk auch immer Mercedes Felgueres ersinnt, es steckt voller Anreize. Und diese zeigen sich dem aufmerksamen Betrachter, angelockt von eben jenen verheißungsvollen, lebhaften Flecken, vollständig erst in der Nahsicht. Kunstvoll flicht Mercedes Felgueres Collagen in ihre Bilder ein; allerhand Fotos, Zeitungsausschnitte, Muster – mit ihnen entsteht ein Geflecht, das unseren Alltag, unsere Welt zu spiegeln und gleichzeitig zu verfremden scheint. Denn eingebunden in die abstrakte Bildsprache von Mercedes Felgueres sind sie einfach nicht mehr konkret zu fassen.

Darüber hinaus sind da diese wunderbaren Farbflächen – in ihrer changierenden Farbigkeit derart leuchtend, dass sie uns oft an die Lichtspiele eines Kaleidoskopes erinnern. Sie greifen die Collagen auf, umfangen sie, überlagern sie und gemeinsam mit jenen allgegenwärtigen schwarzen Linien wird ein innerer Zusammenhalt aufgebaut.

Und über all diesen Details schließt sich eine durchsichtige Schutzschicht. Denn ist einmal der Entstehungsprozess des Bildes für die Künstlerin abgeschlossen, wird dieses mit einer dichten Schellack-Schicht überzogen. Und es verharrt damit scheinbar für immer in einem bestimmten zeitlichen, unveränderlichen Zustand.

Doch auch wenn diese Bilder zunächst in ihrem Wachstumsprozess angehalten wurden, so haben sie dennoch nicht aufgehört zu leben. Denn selbst noch in diese oberste Schicht ritzt Mercedes Felgueres Linien ein, scheint gleichsam das dreidimensionale in ihre Bilder einzugravieren. Und so greifen ihre Werke über ihre eigene Dimension hinaus, sie drängen weiter, lassen sich nicht auf eine Ebene reduzieren und bleiben so in ihrer festgehaltenen Zeitlosigkeit trotz allem dynamisch.

Angelika Müller

Prof. Abelardo Gómez Sanchez

Mercedes Felgueres oder die antizipierten Spuren

Das Werk von Mercedes Felgueres, das zwar zweidimensional ist – ich meine hiermit mehrere Stücke, alle in Mischtechnik auf Leinwand – erhält durch das Gewicht seiner Farben und die Dichte seiner Formen ein Gefühl von Festigkeit, von hinzugefügtem Körper. In der Tat herrschen Achse und Symmetrie vor,  da sich ihre Bilder vor allem aus der Entfernung in umrisslose Vierecke unterteilen, erkennbar durch die stufenweise Veränderung der Farbgebung. Es müsste die Faltung, die Plastizität ihrer Oberflächen erwähnt werden – ich beziehe mich auf eine Serie der so genannten Kästen, nummeriert von eins bis acht, in der aus einem von ihnen parallele Reihen von deutlichen Erhebungen hervorragen. Dies sind alles Gründe, weshalb diese plastischen Wesen auf ihren Charakter antizipierter Spuren hinzuweisen scheinen.
Es ist bekannt, dass derjenige, der die Spielregeln der gegenstandslosen Kunst praktiziert, den Betrachter – ein modernes Paradoxon, das der fatalen Suggestion eines jeden Bildes entspricht – auf das Spiel der vielfachen Bedeutungen verweist. Ich bemerke die Vorliebe für das Fragmentarische, das Vorübergehende, für den Übergang.
Bei Mercedes herrscht jedoch kein absoluter Verzicht auf den  augenzwinkernden Bezug. In einigen Werken erscheinen vor einem Hintergrund von ausgefeiltem Nebel und vieltönigen Schichten Personen und Objekte, die uns auf die fotografische Beschreibung verweisen. Ein Beispiel: Beim Betrachten von Im Büro sind  umherschweifende Figuren zu erkennen – vielleicht durch das gleichermaßen farblose Wesen der Existenz im Büro – in Grünvariationen von sumpfigem Wasser. Eine Analogie zwischen Bürokratie und Sumpf?
Ästhetik der Suggestion: Darstellungen der Bildsprache, metaphorische Essays – Beschreibungen, Bestimmungen. Die visuellen Geschöpfe von Mercedes sind eine unausweichliche Aufforderung zu Intelligenz und Imagination an den Betrachter, an den hypothetischen Nutzer dieser Territorien, also an uns alle.

Prof. Abelardo Gómez Sanchez
Oaxaca, Mexiko, Oktober 2007

Barbara Maria Zollner – Todos somos gitanos – Wir sind alle Zigeuner

Für die mexikanische Künstlerin, die seit fünf Jahren in München ansässig ist, ist das Bekenntnis zur Zigeunerexistenz weniger politisches Statement oder kulturelle Kategorie als Formulierung einer existenziellen Erfahrung. Mercedes Felgueres versteht sich nicht als politische Künstlerin; in ihren Arbeiten verfolgt sie keine Ideologien oder Utopien, auch nicht Auflehnung gegen die Welt. Beinah entschuldigend erhebt sie Anspruch auf die Autonomie der Kunst; konzentriert in Essenzen aus Farbe scheinen die Welt und das Dasein in ihre Bilder einzufließen. Mercedes Felgueres wurde in Mexico City geboren; sie studierte Architektur und arbeitete auch als Architektin und Innenarchitektin.

Seit 1994 lebt und arbeitet die Künstlerin in Deutschland, seit 2002 in München. Viele Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen in Deutschland, Belgien, Italien und Mexico haben ihre experimentelle Malerei international bekannt gemacht. Die Gemälde von Mercedes Felgueres erzählen von einem Leben zwischen den Kulturen. Ihr Werk ist gekennzeichnet vom virtuosen Umgang mit Farbe, die sie vielschichtig und oft in den leuchtenden, warmen Tönen ihrer Heimat aufträgt. Ihre Bilder sind eine Aufforderung zu einem Gang durch eine abstrakte Bilderwelt, die sich jeder Betrachtende zu eigen machen kann.

Barbara Maria Zollner

Diana Ugarte – Las Manos Llenas de Color

El principio es un largo camino. La artista mexicana toma el pincel con espontaneidad  hasta llenar sus manos de color. Muchas capas, líneas, experimentos, correcciones un dialogo interno, una reflexión profunda hasta encontrar el momento de la transformación.

Mercedes Felgueres juega no nada más con colores sino con materiales, creando así una superficie tridimensional con un fondo tranquilo. Sus colores y formas son una manera de demostrar su estado emocional. Explosiva y dinámica, cambia siempre sus técnicas hasta conseguir en el cuadro su impresión del momento, tratando siempre de encontrar un balance. Este juego entre paz e intranquilidad le demuestra al observador las diferentes emociones. Finalmente lo que quiere en un cuadro es demostrar sus experiencias personales reflejando su inconsciente y su conciencia juntos.

El observador siente inmediatamente que su inspiración es un camino libre. Los descubrimientos se vuelven formas, las situaciones, colores. Sus cuadros son obras de arte abiertas y libres, no los presiona nada. Su estilo es inmediatamente reconocible. Normalmente las formas son elementos pero también existen simples zonas de colorido.
Estas formas construyen entre si un propio idioma que es libre y sin fronteras.

Los cuadros de Mercedes Felgueres son una invitación, un reto a un camino a través de un mundo abstracto donde cada observador puede hacer su propio mundo entre ilusiones y realidades. Es fascinante  descubrirlos. El que observa y estudia sus cuadros, se confronta con una fantasía interminable.

Mercedes Felgueres ha expuesto sus obras en Alemania, Italia, Bélgica, Austria y México.

Diana Ugarte